
Von den "Profis" in der Suchtkrankenhilfe wird immer wieder betont, dass wir
Angehörigen mindestens genau so leiden müssen und Unterstützung
brauchen wie die Alkoholkranken selbst. Doch aufgrund der allgemeinen Personalknappheit
in entsprechenden Institutionen scheint es unumgänglich, hier Prioritäten
zu setzen. Dabei haben dann natürlich die direkt Betroffenen Vorrang und
wir Angehörigen immer wieder das Nachsehen. Dies scheint der Hauptgrund
zu sein, warum ich leider lange Zeit niemanden für einen Beitrag auf dieser
Seite gewinnen konnte. Deshalb bin ich besonders dankbar, dass Wolfgang Weikert
sich nun so viel Mühe gemacht hat, um diese Lücke zu füllen.
Nachfolgend findest Du seinen Beitrag.
Einleitung
Was bedeutet das Zusammenleben mit einem Suchtkranken
für die Partnerschaft?
Der Krankheitsverlauf des Alkoholismus und die
Konsequenzen für den Umgang mit dem Suchtkranken daraus
Die erste Phase einer Suchterkrankung (* nach Jellinek) und
das darauf meistens erfolgende Verhalten der Angehörigen
Die zweite Phase der Suchtentwicklung und die Reaktionen
der Angehörigen darauf
Die dritte Phase der Suchtentwicklung und die Reaktionen
der Angehörigen darauf
Die vierte Phase der Suchtentwicklung und die Reaktionen
der Angehörigen darauf
Kurztipps für Angehörige
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Alkoholismus und Partnerschaft: Wie sollen Angehörige von Suchtkranken mit ihren Partnern umgehen?
Zum Autor: Wolfgang Weikert, 50 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder, Dipl.-Pädagoge, Sozialtherapeut, arbeitet im Paracelsus-Therapiezentrum in Bad Essen als Gruppentherapeut und im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit als Managementtrainer für die Industrie. Er ist selbst alkoholkrank und lebt seit etwa 20 Jahren abstinent. Er hat gemeinsam mit seiner Frau Anne viele Bücher zu pädagogischen und psychologischen Themen geschrieben, darunter auch ein Buch für Angehörige von Alkoholkranken: „Wenn Männer zuviel trinken“ (Goldmann-Verlag, 1996)
Was bedeutet das Zusammenleben mit einem Suchtkranken für die Partnerschaft?
Wenn Sie mit einem trinkenden oder gerade abstinent lebenden Alkoholiker oder einer Alkoholikerin zusammenleben, ergeben sich eine Menge Probleme und Fragen, die ich Ihnen aus meiner Erfahrung beantworten möchte. Dabei steht das Umgehen mit einem Suchtkranken innerhalb einer Partnerschaft im Vordergrund. In einer Partnerschaft, in der ein Partner trinkt oder ein anderes Suchtmittel nimmt, ist das Verhalten des Suchtkranken mehr oder weniger vorhersehbar. Das heißt: Der trinkende Suchtkranke wird sich immer so verhalten, dass das Trinken gewährleistet ist und nicht so, wie sich der Angehörige das wünscht. Aber auch das Verhalten des Angehörigen ist in jeder Phase der Suchtentwicklung vorhersehbar. Die Angehörigen sind, wie der Suchtkranke nicht mehr frei in ihren Entscheidungen, sondern werden beide (wenn sie sich dessen nicht bewusst sind) vom Suchtmittel und dessen Einnahme gelenkt.
Für die Einschätzung dieses (vorhersehbaren) Verhaltens ist es notwendig, sich ein wenig mit der Entwicklung von Sucht (oder dem neuen Begriff der Abhängigkeit) zu beschäftigen. Nur wenn der oder die Angehörige sich mit der Suchtentwicklung auskennt, hat er oder sie Chancen, das Ganze auch zu verstehen und aus diesem Teufelskreis der vorhersehbaren Entwicklung auszusteigen. Dabei ist es ganz wichtig zu begreifen: Der Suchtkranke verhält sich so, weil er krank ist, weil der Verlauf der Suchtkrankheit ihm dieses Verhalten aufzwingt. Er verhält sich nicht so, weil er die Angehörigen ärgern will oder ähnliches. Leider ist dieses Verständnis für die Nöte des Suchtkranken nur sehr schwer erreichbar, weil die Angehörigen selbst natürlich unter dem Verhalten des Suchtkranken leiden und die damit verbundenen Gefühle des Ärgers, der Wut und auch der Verzweiflung an sich spüren. Diese Gefühle verhindern die klare Betrachtung der Krankheit ebenso, wie das konsequente Umgehen damit. Wer diese Verstrickungen nicht erkennt, wird im Netz der Sucht hoffnungslos gefangen bleiben. Um sich davon aber lösen zu können, sollte man wissen, warum sich der Betroffene und auch der Angehörige so und nicht anders verhalten können.
Das Verständnis der Suchtentwicklung ist der erste Schritt, um sich aus dem Teufelskreis lösen zu können und zu einem selbstbestimmten (und nicht suchtbestimmten) Leben zurück zu finden. Das Ganze ist aber ein schwieriger und langwieriger Prozess und nicht in ein paar Tagen zu erreichen. Da nützen auch konkrete Handlungsanweisungen nur wenig, denn die müssen erst mal konsequent langfristig umgesetzt werden. Dauert dieser Verlauf der Krankheit aber schon einige Jahre, dann dauert auch die Heilung davon nicht selten ebenso lange.
Der Krankheitsverlauf des Alkoholismus und die Konsequenzen für den Umgang mit dem Suchtkranken daraus
Wenn Sie sich mit einem Suchtkranken in der Familie herumschlagen, sich
über ihn und seine Unzuverlässigkeit ärgern oder gar daran
verzweifeln, dann tun Sie gut daran, alles, was der Suchtkranke tut, nicht
(auf keinen Fall!) auf sich selbst und Ihr Verhalten ihm oder ihr gegenüber
zu beziehen. Natürlich ist der Verdruss verständlich, wenn Sie
sich wieder einmal etwas für das Wochenende vorgenommen haben (zum
Beispiel mit den Kindern etwas zu unternehmen) und feststellen müssen,
es geht nicht, weil der Kranke zu besoffen ist, um mitzukommen. Zunächst
ärgern Sie sich über ihn, dann fragen Sie sich, was Sie schon
wieder „falsch gemacht haben“. Aber bei aller Liebe: Mit Ihnen hat das
Ganze nichts zu tun, auch dann nicht, wenn der oder die Suchtkranke Ihnen
das bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit zum Vorwurf macht.
Suchtkranke sind Meister darin, den Angehörigen ein schlechtes Gewissen
und Schuldgefühle einzureden, um von sich selbst und ihrer Selbstverantwortung
abzulenken.
| Alle Verhaltensweisen des Suchtkranken sind eine Folge seines oder ihres Trinkens oder der Einnahme von Suchtmitteln (Rauschgift, Medikamente, Alkohol etc.). Und sie sind natürlich auch abhängig von der Art und Weise und der Menge, die der Suchtkranke zu sich genommen hat. Je nachdem in welcher Phase seiner Suchtentwicklung der Kranke sich befindet, werden diese Reaktionen mehr oder weniger unverständlich ausfallen. |
Die erste Phase einer Suchterkrankung (* nach Jellinek) und das darauf meistens erfolgende Verhalten der Angehörigen
Am Anfang steht immer das Trinken, um Erleichterung zu erreichen. Der oder die Betroffene hat Stress auf der Arbeit (oder in der Familie) und meint, diesen Stress mit einem Bier oder einem Glas Wein mindern zu können. Was am Anfang auch funktioniert, wie jeder an sich selbst schnell feststellen kann. Leider wird dabei verkannt, dass Alkohol eine ihm innewohnende Dynamik entfaltet. Der menschliche Körper gewöhnt sich daran, auf diese Weise subjektiv Erleichterung zu verspüren. Die Folge ist: Es entsteht eine Toleranzentwicklung. Das heißt: In der ersten Zeit reicht ein Bier oder ein Glas Wein aus, um Entspannung zu erreichen. Später, wenn der Organismus sich daran gewöhnt hat, werden es zwei oder drei. Natürlich gewöhnt sich der Körper daran auch und die Folge: Es muss die Dosis erhöht werden.
Nur die wenigsten Angehörigen machen sich in dieser frühen Phase einer Suchtentwicklung Gedanken über das Trinkverhalten ihres Partners oder ihrer Partnerin. Im Gegenteil: Sie lassen sich von den in unserer Gesellschaft üblichen Trinksitten und –normen einwickeln und sind ganz verständnisvoll. Sie kennen die schwierige Arbeitssituation des Anderen, haben Verständnis für seine Belastungen oder ähnliches. Aber: Auch das ist eine Reaktion, die Zustimmung signalisiert und damit einen direkten Einfluss auf das weitere Trinkverhalten hat.
Wir leben mittlerweile in Deutschland in einer (Trink-)Kultur, in der es völlig normal erscheint, dass Menschen nach der Arbeit erst mal einen „Absacker“ brauchen, um wieder auf „den Fußboden“ zu kommen. Das alltägliche abendliche Trinken (dem in der Regel ein mäßiges Trinken tagsüber vorausgegangen ist) wird in viele Familien schon als „normal“ angesehen. Dabei wird leider schnell vergessen: Wer täglich Alkohol trinkt und sei die Menge (scheinbar) noch so klein, der wird über kurz oder lang eine Toleranz gegenüber dieser Menge entwickeln. Er fühlt sich dann nach ein oder zwei Bier nicht mehr so entspannt, wie am Anfang und die Folge liegt auf der Hand; die Dosis muss erhöht werden, soll das Entspannungsgefühl wieder erreicht werden.
Dabei wird vergessen, dass Personen, die sich regelmäßig mit Alkohol von ihrem Arbeitsstress entlasten müssen, nicht mehr in der Lage sind, ihren Stress auf ungefährlichere Art und Weise abzubauen, zum Beispiel in dem sie die Stress auslösenden Ursachen verändern. Das abendliche Trinken sichert die Aufrechterhaltung der Stressauslöser und macht aus dem Trinkenden einen angepassten Arbeitnehmer, der sich nicht gegen Belastungen wehrt, sondern diese mit einem Suchtmittel kaschiert und weiter aushält. Trinken ist nach diesem Verständnis ein Weglaufen vor Problemen (mit Hilfe des Suchtmittels). Dieses Weglaufen und Ausweichen vor Konflikten wird später zum durchgängigen Markenzeichen von Süchtigen.
Angehörige, die diese Entwicklung nicht sehen (können oder wollen), dürfen sich nicht wundern, dass nach ein paar Jahren die Symptome des täglichen Alkoholkonsums sichtbar werden und ihnen vermehrt Probleme bereiten.
Die Symptome beim Alkohol trinkenden in dieser 1. Phase: Gelegentliches Erleichterungstrinken, Erhöhung der Alkoholtoleranz, Häufiges Erleichterungstrinken.Die zweite Phase der Suchtentwicklung und die Reaktionen der Angehörigen daraufDie Symptome beim Angehörigen: Verständnis und Zustimmung, Tolerierung, Unterstützung und Aufrechterhaltung des Trinkverhaltens durch diese Reaktionen.
Natürlich bemerkt der Trinkende oder die Trinkerin, das etwas mit ihm oder ihr vorgeht. Die Ausfallerscheinungen durch das Trinken werden nämlich stärker spürbar mehr. Und damit das nicht auffällt, versuchen sie nun das zu kaschieren. Erste Gedächtnislücken treten auf, aber das wird als Einzelvorfall oder Ausrutscher abgetan. Nehmen diese Ereignisse aber zu - und das wird der Fall sein, wenn weitergetrunken wird - , dann versucht der Betroffene durch Lügen und Verheimlichen den Angehörigen und sich selbst zu täuschen.
In dieser Phase merkt der Trinkende, dass er anders trinkt als andere und versucht das zu verheimlichen. Das heißt: Offiziell trinkt er nun etwas weniger, inoffiziell ändert sich am Trinkverhalten gar nichts, im Gegenteil es erhöht sich noch.
In vielen Industriebetrieben war es jahrelang üblich, dass die Angestellten und Arbeiter nach der Arbeit eine bestimmte Gaststätte aufsuchten, um dort sehr schnell ein paar Bier und Schnaps zu trinken. Der Wirt hatte sich darauf eingerichtet, zig Biere und Schnäpse warteten bei Schichtende bereits auf die durstigen Kehlen. Nicht selten wurde in ein paar Minuten mehr getrunken, als sonst am ganzen Tag. Die Herrschaften hatten es eilig, zu Hause wartete ja bereits die Partnerin. Der wurde natürlich nicht erzählt, dass man in 10 Minuten fünf Bier und fünf Schnaps getrunken hatte, sondern nur ein Schnaps und ein Bier. Dann fiel es auch nicht auf, dass zu Hause noch zwei offiziell und zwei inoffiziell (im Gang zum Keller und zur Bierkiste) beim Fernsehen getrunken wurden.
Da inzwischen eine körperliche Gewöhnung eingetreten war, erschien der Betroffene auch nicht allzu sehr betrunken zu sein. Über die leichte Fahne sah man hinweg und schließlich gab es auch Pfefferminzbonbons oder die Möglichkeit dem Partner nicht so nahe zu kommen, dass er die Fahne riechen konnte.
Die Symptome beim Alkohol trinkenden in dieser 2. Phase: Gedächtnislücken, heimliches Trinken, dauerndes Denken an Alkohol, gieriges Trinken, Schuldgefühle wegen der Trinkart, Vermeiden von Anspielungen auf das Trinken, Häufigkeit der Gedächtnislücken.Die dritte Phase der Suchtentwicklung und die Reaktionen der Angehörigen daraufDie Symptome beim Angehörigen: Ansprechen des Partners auf Auffälligkeiten, Hinterherspionieren, ständiges sich beschäftigen mit dem Anderen, Sorgen nehmen zu, das Thema kommt nun öfters auf den Tisch. Je stärker aber die Vorwürfe abgewehrt werden, desto vorsichtiger wird der Angehörige.
Zu Beginn der dritten Phase (die kritische Phase nach Jellinek) steht der „Kontrollverlust“. Das Erleben des Kontrollverlustes stellt für den Betroffenen den Übergang zum süchtigen, abhängigen Trinken dar. Er überschreitet nun die Grenzlinie zwischen einer Gefährdung und der Abhängigkeit. Gemeint ist mit dem Kontrollverlust aber nicht nur das Trinken bis zum bitteren Ende (also der Volltrunkenheit), sondern vielmehr das Verlieren der bewussten Kontrolle über die jeweilige Trinkmenge. Der Kontrollverlust setzt nach dem ersten Glas Alkohol ein, das heißt: Der nun Abhängige nimmt sich zum Beispiel vor, er oder sie trinkt nur ein oder zwei Gläser, aber dieser Vorsatz löst sich im wahrsten Sinne nach dem ersten Glas in Wohlgefallen auf. Es werden mehr. Wie viel mehr ist dabei unerheblich, denn es kommt nur noch darauf an, dass es mehr als ein Glas werden. Auch wenn der Trinker eventuell nach fünf oder sechs Glas „aufhören kann“, nach dem ersten Glas kann er es nicht (mehr).
Daher erscheint es nun auch als „logisch“, dass Alkoholkranke in diesem Stadium beginnen, ihr Trinkverhalten vor sich selbst und vor der Umwelt zu „erklären“. „Ich trinke, weil...“ wird zum beliebten Ablenkungsmanöver von der eigentlichen Unfähigkeit zum Abstinieren, bzw. Kontrollieren des Trinkens. Es dient dazu, vom der Abhängigkeit als Grund des Trinkens abzulenken und Gründe für das Trinken auszudenken, die aber nur vorgeschobene Alibis sind.
Ein kleiner Exkurs hier zum sogenannten „kontrollierten Trinken“, dass derzeit wieder eine Renaissance erlebt: Das nicht mehr kontrollieren können der Trinkmenge ist eines der herausragenden Kriterien für das Vorliegen einer Abhängigkeit vom Alkohol. Die meines Erachtens völlig unnötige Debatte in der Öffentlichkeit über das „kontrollierte Trinken“ suggeriert den Abhängigen, sie könnten mit Hilfe eines ausgefeilten Programms wieder kontrolliert Trinken lernen. Wenn das wirklich bei einzelnen Personen gelänge, wäre das lediglich ein Zeichen dafür, dass diese Personen keine wirklichen Abhängigen wären. Die Zielgruppe solcher Programme wären also Trinker, die noch nicht abhängig wären. Aber leider springen gerade Menschen, die keine Alkoholabhängigen sein wollen (es aber leider sind), auf solche „Strohhalme“ an. Und die erleben in diesen Programmen ein Fiasko (das gar nicht notwendig gewesen wäre). Die große Gruppe der Missbraucher von Alkohol (etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung) nimmt nicht in an solchen Programmen teil, weil sie (noch) keinen Leidensdruck haben, der sie zum Aufhören nötigen würde.
In der dritten Phase nehmen Verhaltensauffälligkeiten beim Suchtkranken zu: Soziale Belastungen häufen sich, auffällig aggressives Verhalten wechselt mit Perioden völliger Abstinenz, die lediglich dazu dienen, sich selbst und der Umwelt (hier der Familie) zu beweisen, dass man kein Abhängiger ist. Ein wirklich Nichtabhängiger käme gar nicht auf die Idee, das beweisen zu müssen. Er würde einfach nicht trinken. Der Abhängige bleibt nüchtern und betont, dass er es macht. In dieser Phase nehmen auch die Symptome der Auffälligkeiten zu. Es kommt schon zu ersten Trennungsversuchen vom Abhängigen durch die Angehörigen.
Die Symptome beim Alkohol trinkenden in dieser 3. Phase: Verlassen oder Wechseln des Arbeitsplatzes, Konzentrierung des Benehmens auf Alkohol, Verlust an äußeren Interessen, Änderungen im Familienleben u.v.a. mehr.Die vierte Phase der Suchtentwicklung und die Reaktionen der Angehörigen daraufDie Symptome beim Angehörigen: Das Problem wird offensichtlich, es wird versucht, es zu beseitigen. Die Familie droht zu zerbrechen; Familienmitglieder (z.B. die Partnerin, Eltern oder Kinder) versuchen die Familie zu retten.
In der vierten, chronischen Phase treten erstmals verlängerte Räusche auf und die Angehörigen bemerken einen zunehmenden sittlichen und körperlichen Abbau. Es kommt zum Verlust der Alkoholtoleranz (das heißt: Die Betroffenen vertragen nun auf einmal nicht wie früher mehr, sondern weniger als vorher. Schon nach wenigen Glas Alkohol wirken sie so betrunken, als hätten sie viel mehr getrunken). Gesundheitliche Probleme treten gehäuft auf, Entgiftungen werden durchgeführt und kurz darauf wird wieder getrunken. Es kommt zu Zusammenbrüchen und das Erklärsystem versagt. Es wird offensichtlich, das die Alibis nicht mehr tragen.
Die Symptome beim Alkohol trinkenden in dieser 4. Phase: Beeinträchtigung des Denkens, Trinken mit Personen unter dem eigenen Niveau, organische Nervenschädigungen treten auf, Alkoholdelir (kann muss nicht sein) und in Einzelfällen auch ein sogenanntes Korsakow-Syndrom.Die Symptome beim Angehörigen: Die Angehörigen verlassen nun erstmals die Familie und versuchen sich selbst (ohne den Angehörigen) zu reorganisieren. Danach kommt es manchmal zu erneuten Abstinenzversuchen der Betroffenen (hierauf) und die Familie versucht gemeinsam einen Neuanfang.
| 1. | Geben Sie alle Beeinflussungsversuche auf, das Trinken Ihres Partners zu beenden. Sie führen in der Regel nur zu Verhaltensänderungen beim Trinken. Es wird eher heimlich getrunken, aber am Trinken selbst ändert das in der Regel nichts! |
| 2. | Sagen Sie dem Betroffenen, dass Sie nicht mehr bereit sind, so mit ihm zu leben. Kümmern Sie sich um Alternativen: Wo können Sie hin? Was wollen Sie machen? Wovon wollen Sie leben? |
| 3. | Wenn Sie das noch nicht können oder wollen, bereiten Sie solche
Schritte wenigstens vor.
|
| 4. | Signalisieren Sie, dass Sie so nicht mehr leben wollen. Sagen Sie aber auch, unter welchen Umständen Sie sich eine neues Zusammenleben vorstellen könnten. |
| 5. | Organisieren Sie sich ein eigenes Leben ohne den Abhängigen. Stellen Sie sich seelisch darauf ein, dass Sie den Betroffenen nicht vom Trinken wegbekommen. |
Nur wer wirklich aufgibt, den Betroffenen zu beeinflussen, und sein Leben wieder neu zu organisieren versucht, kann darauf hoffen, dass er mit dieser Maßnahme dem Betroffenen hilft, sich Gedanken über sein Trinken - und wohin ihn das bisher gebracht hat - zu machen. Eventuell wird er oder sie dabei wach und ist bereit, mit dem Trinken aufzuhören. Eine Garantie dafür gibt es aber nicht!
Die Entscheidung zum Aufhören müssen die Betroffenen selbst fällen. Die Angehörigen können lediglich dabei behilflich sein, den Leidensdruck, der einer solchen Entscheidung vorausgeht, zu erhöhen, um damit den Leidensweg bis zur Entscheidung zu verkürzen.